Vom Becak-Fahrer und der Garagen-Gang

Meine ersten Begegnungen mit einem Lächeln in der Ferne

So weit weg von zu Hause, da ist man irgendwie doch etwas anders, ob man will oder nicht…

Man bewegt sich anders auf fremden Terrain, in einer völlig anderen Kultur mit einem anderen Glauben und dann auch noch in einer riesigen, unbekannten Stadt wie Bandung. Obwohl Bandung im Gegensatz zu Jakarta doch eher „gemütlich“ wirkt, Betonung liegt hierbei wahrhaftig auf dem Vergleich zu Jakarta, trotz allem musste ich mich erstmal in so eine große Stadt und ihre Menschen hineinfühlen.

Da waren die Menschen, die uns abzockten, in dem sie uns beispielsweise horrende und unangemessene Touri-Preise anboten oder solche, die uns vor der Moschee Plastiktüten für unsere Schuhe in die Hand drückten, wir dämlichen Touris natürlich aber nicht sofort checkten, dass wir sie bezahlen mussten sobald wir sie in den Händen hielten. Auch die zwielichtigen Gesellen, die uns auf einem Markt von ihren Kindern verfolgen ließen, um uns das Geld und wahrscheinlich noch anderes wortwörtlich aus der Tasche zu ziehen, die gab es auch. Glücklicherweise hatten wir zumindest diese jedoch im Blick und dadurch die Situation unter Kontrolle.

Alles wuselte und wimmelte und inmitten dieses Trubels, da fuhren Motorroller, Autos und Becaks, die Fahrradtaxis. Diese Teile und ihre Fahrer waren einfach nur beeindruckend! Häufig waren die Sitze der Fahrräder so hoch eingestellt, dass deren fleißige Radler nur mit Mühe und den Zehenspitzen emsig in die Pedale treten konnten. Auch wenn mehrere große und schwere Europäer mit fettem Reisegepäck in dem Fahrrad-Taxi saßen, die kleinen, drahtigen Männer mit Waden aus Stahl strampelten, als gäbe es kein Morgen und bewegten diese Masse an Gewicht scheinbar mühelos vom Fleck.

Als einige Becaks am Straßenrand ruhten, konnten wir sie mal etwas genauer unter die Lupe nehmen und entdeckten, dass nahezu alle die Fahrradsattel mit dicken Stofflappen oder Handtüchern und Klebeband umwickelt hatten – so angenehm konnte der Job für das Hinterteil, (im besten Falle nur für das Hinterteil) also nicht sein. Und wie wir so über die für uns seltsamen Gefährte munkelten, da saß in einem ein gut gelaunter Mann, der gerade auf der Sitzbank ein bisschen Pause zu machen schien.

Wir waren zu fünft als wir dort in unserer spontan kreierten Reisegruppe standen und Laurens, das einzige männliche Wesen zwischen uns, plötzlich seine Kamera zückte und den pausierenden Mann um ein Foto bat. Dieser willigte freundlich ein und ich bestaunte an dieser Stelle Laurens Unbedarftheit. Meine Kamera fest in der Hand, konnte ich meinen Augen beim Anblick dieses tollen Motivs und schönen Momentes kaum trauen. Jedoch zögerte ich selbst nach einem Foto zu fragen, bis Laurens mich schließlich ermutigte. Etwas verlegen fragte und gestikulierte ich so beherzt mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen, dass der Mann meine Mission schließlich verstand und willigte natürlich auch bei mir ein. Er lächelte mich beschwingt noch freundlicher und lustiger als zuvor an, während ich meine Kamera zückte und auf den Auslöser drückte.

Das Foto wurde der Knaller, wie ich fand und ich war so stolz und froh, dass ich diesen Moment in einem Bild einfangen durfte. Es war mein erster Augenblick in einer fremden Welt, ganz allein in einer Gruppe fremder Menschen, in der ich mich mutiger und weniger zurückhaltend ausprobieren konnte, als ich normalerweise gewesen wäre. Ein befreiender Moment und ich hatte Blut geleckt einfach mal keine gekünstelten Fotos zu schießen, auf denen man die Menschen noch schnell zurechtstellt, ihnen die Haare richtet und sie dann bittet schäl und unnatürlich auf Knopfdruck in die Linse zu grinsen. Dieser Augenblick war spontan, echt und anders und ich wollte nun definitiv mehr davon.

Wenig später und am Ende unserer Sightseeingtour durch Bandung, da schlenderte ich nur noch mit Conny und Paula im Schlepptau durch die Straßen der Stadt, als ich plötzlich eine große Garage, vollgestopft bis zur Decke mit Krimskrams und davor einige junge Indonesier erspähte. Ich musste unweigerlich grinsen und an die im TV publik gemachte Familie Ludolf und ihren Chaosschrottplatz mit dem Autoteilelager denken, welches so prima nach dem „Haufenprinzip“ funktionierte… Bei denen fragte man sich auch immer, wie sie auch nur annähernd den Überblick bei den tausenden von Dingen in ihrer Lagerhalle behalten konnten. Mein erster Impuls war also sofort, tolles Foto!

Etwas nervös und angespannt, wie die Männer reagieren würden, griff ich zu meiner Kamera, winkte ihnen freundlich zu und verdeutlichte ihnen mit der passenden Gestik und einem Lächeln auf den Lippen, dass ich sie gerne ablichten würde. Freudestrahlend, winkend und johlend gaben mir die Herren ziemlich eindeutig zu verstehen, dass das Fotografieren ja wohl sowas von ok war und ich sackte überglücklich und stolz das zweite Foto einer anderen Welt, am anderen Ende der Welt ein.

Am Abend betrachtete ich noch einmal zufrieden und irgendwie auch gerührt meine Fotoschätze: den breitgrinsenden Becak-Fahrer und die euphorische Ludolf-Garagen-Gang. Diese Menschen lachten so natürlich, so freundlich und fröhlich, dass ich es kaum glauben konnte. Und sie lächelten für mich komischen Kauz aus Europa, den sie gar nicht kannten. Da war so viel pure Schönheit und Zufriedenheit in ihren Augen, ihren Blicken und ihrem Lachen – die Stimmung war irgendwie greifbar.

Da fing mein Umdenken erst so richtig an. Ich wollte einfach keine, für unsere verdreht wirkenden westlichen Verhältnisse, ausschließlich „schönen“ Menschen ablichten und auch nicht im gekünstelten Rahmen. Keinen bräsigen Grinsekatzen-Duckface-Modus der ganzen Maskenmädchen und Machomännchen da draußen, die sich erstmal die vermeintliche Schokoladenseite zurechtrücken und mit allem präparieren, was nur geht und Photoshop hergibt, um dann immer gleich und ewig langweilig in die Kamera zu grienen. Schön sind sie alle irgendwie, nur wie tatsächlich, ist glaube ich nicht so ganz klar zu definieren.

Ich wollte also künftig einfach nur Momente und Menschen, Situationskomik und natürliche Schönheit, die von innen heraus strahlt, mit der Kamera einfangen und war von da an gespannt, wie diese Mission so zu erfüllen sein würde!

Ich hoffe auch Dir gefällt dieser Moment in der Ferne und vielleicht kennst ja auch Du so einen wunderbaren Augenblick, den Du mit der Kamera festhalten konntest?

Kennst Du das auch, wenn man noch zögert und sich doch irgendwie nicht so richtig traut das Foto zu schießen? Wie bittet man am besten nach einem Foto trotz Sprachbarriere oder hast Du Dich vielleicht auch schon mal geärgert, weil Du Dich gar nicht getraut hast zu fragen?

Lass es mich wissen und hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar, ich freu mich drauf!

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