So lasset den Glühwein fließen – Feuerzangenbowle im Audimax

Die Arena im Auditorium Maximum ist eröffnet!

So pilgerten auch dieses Jahr einen Tag vor Nikolaus unzählige Studenten, Ehemalige, „Normalos“ und natürlich meine Wenigkeit (die irgendwie zu allen Gruppen etwas gehört) zum Audimax am Westring, um der Feuerzangenbowle mit dem großartigen Heinz Rühmann zu frönen.

Bereits am ersten Tag des Vorverkaufs in der Mensa 1 waren die Karten schneller ausverkauft als man gucken konnte, was bei einem Preis von 5€ durchaus verständlich ist. Jedoch nicht nur der Preis hat seine Attraktivität, sondern die gesamte Atmosphäre dieser alljährlichen Vorweihnachtsaktion. Randvoll gefüllt platzte der Hörsaal fast aus allen Nähten und an allen Ecken und Enden wurden Plätzchen und Lebkuchen gefuttert, Papierflieger schwebten durch den Raum und auch die ein oder andere Klopapierrolle fand dekorativ ihre Flugbahn durch die Reihen.

Einlass war bereits 19:00 Uhr und Start sollte erst um 20:15 Uhr sein, jedoch waren bereits um viertel nach sieben fast alle Plätze belegt und die Stimmung grandios! Mit lauten Gesängen der einzelnen „Kurven“ wurde sich gegrüßt, der Schüler „Ackermann“ bereits vor dem Start leidenschaftlich, aber vor allem auch lautstark gefeiert und die Thermoskannen mit Glühwein gefüllt (pro Kopf eine erlaubt) klopften munter anfeuernde Rhythmen auf die Tische.

Als das Programm mit einer „zauberhaften“ Live-Performance startete, die Nikoläuse (die die Anmoderation übernahmen) wie üblich auf der Bühne ziemlich unterhaltsam die Hüllen fallen ließen und damit die Meute zum Kochen brachte, wurde der Mob anschließend noch mit Lebkuchen schwungvoll versorgt und das Spektakel konnte beginnen. Wäre es auch…ja, wäre da nicht der Ton oder eben auch, der nicht vorhandene Ton gewesen!

Nach kleinen Startschwierigkeiten mit der Technik, die die Zuschauer jedoch klug und effizient kompensierten, indem sie den gesamten Untertitel einfach laut mitsprachen (zum Schreien komisch!), konnte der Film endlich nach einem kompletten Neustart beginnen und alle begeistern.

Da wurde aufgestanden und geprostet, wenn auch dies die Herren im Film taten, trat eine feine Dame auch nur einen Schritt auf die Leinwand, so pfiff der gesamte Hörsaal munter und anerkennend. Wenn der Schüler Ackermann beim Namen genannt wurde, gröhlte die Menge (die sich diesbezüglich ja bereits warm gemacht hatte) seinen Namen und wenn Heinz Rühmann sich im Film als Schüler Pfeiffer vorstellt und der Dialog mit:

„Hm, Pfeiffer…mit einem oder mit zwei F?“
„Mit drei, Herr Professor.“
„Mit drei F?“
„Eins vor´m „ei“ zwei hinterm „ei“, bitte.“schließt, spätestens DANN hatte Die Feuerzangenbowle alle in ihren Bann gezogen und laut gellendes Lachen durchzog den gesamten Raum.

Ich kann wirklich nur sagen, dass das gesamte Happening einfach nur urig und aus der Kieler Studentenkultur nicht wegzudenken ist. Dabei ist es wirklich nicht nur ein Ereignis für Studenten, denn ich sah tatsächlich auch eine Familie mit Kind (schon alt genug, weil Film FSK12), einige Menschen der „älteren Fraktion“ und dachte mir, wie cool, dass so ein Film verschiedenste Menschen, Generationen und auch Motivationen, den Film zu gucken, zusammenschweißt.

Die Feuerzangenbowle selbst ist aber auch einfach sehenswert und in meinen Augen eine Perle der Filmgeschichte, Heinz Rühmann at his best eben und ein wunderbares Relikt unserer Zeit! In Anbetracht des Erscheinungsjahres 1944 finde ich auch die Modernität und Aktualität unfassbar. So viel Witz und Keckheit, eine wirkliche Komödie eben, die nicht auf die heute so oft propagierte Tumbheit und Dreistigkeit im Comedy-Bereich baut. Der Film setzt eben einfach auf simplen Humor und frech geschriebene Komik, die wiederum im Kontext des Filmes und der gesamten Atmosphäre die Massen einfach zum Johlen brachte und bei Zeilen wie: „Mit der Schule ist es wie mit der Medizin: Sie muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts!“, da war es dann auch wirklich um alle geschehen!

Ich persönlich weigere mich in diesem Rahmen Die Feuerzangenbowle mit der Entstehungszeit in Verbindung zu bringen und darüber jetzt ne Moralpredigt abzuhalten (da gibt es leider einige, die das nicht so locker sehen), da ich den Film und dieses tolle Arrangement im Audimax für den Moment einfach als unterhaltsames Abendprogramm betrachte und nicht irgendwie mit erhobenem Zeigefinger NS-geschichtlich beleuchten möchte (bei aller Liebe zur Historie und auch wenn man im einen Hörsaal dabei sitzt, da muss man für meine Begriffe auch mal die Kirche im Dorf lassen).

Deshalb werde ich damit auch den letzten Worten Heinz Rühmanns als Professor Pfeiffer nicht ihren Glanz nehmen, sondern lasse sie einfach so schön hier im Raume stehen, wirken und glänzen wie sie sind und werde sie als wundervollen Abschluss für einen tollen Film und Abend betrachten:

„Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen; die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden.“

Damit schließt zwar der Film, jedoch muss niemand ganz nach Hause oder an einem Freitagabend um 22 Uhr ins Bett gehen. Denn es kann sich danach jeder noch auf der After-Show-Party im CAP III direkt neben dem Uni-Hochhaus die Seele aus dem Leib feiern und der Glühwein aus dem Kopp tanzen, wer also noch Lust auf Party hat – unbedingt hin da!

Und wenn Du mal um die Weihnachtszeit in Kiel bist oder Du eh hier studierst, dann muss der Termin für Die Feuerzangenbowle im nächsten Jahr bereits rot in Deinem Kalender angestrichen sein – ich bin garantiert auch wieder dabei!

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Nikolaus!

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Visit Us On Facebook