Eiszeit

Irgendwie weiß ich gar nicht so recht, wo ich anfangen soll… Ich habe lange nichts von mir hören lassen und eigentlich wollte ich auch gar nicht, dass eine Eiszeit über Word Trip herrscht, aber irgendwie habe ich wohl meinen Eiskratzer verlegt und den Enteiser in der Garage stehengelassen.

Vielleicht wollte ich auch nicht von mir hören lassen, vielleicht wollte ich den dieses Jahr fast ausbleibenden Winter auch einfach nur etwas selbst zelebrieren, mich in meine Kuscheldecke aus Schweigen einmummeln und von niemandem etwas hören…

 

Warum is die Banane krumm?

Du fragst Dich jetzt vielleicht „warum dieses ganze ‚Schweige-Zölibat‘?“, obwohl Word Trip und ich doch eigentlich eine innige beziehungsweise eheähnliche Beziehung pflegen?

Tja, während alle derzeit mit dem Fasten angefangen haben und auf alles verzichten, was ihnen so lieb und teuer ist, da gehe ich wohl eher in die Vollen und suche den Sinn in der Versuchung, in alledem was Spaß macht hoch zehn und dann bitte auch noch zweimal UND auch mit Ketchup UND scharf, nee nicht zum Mitnehmen und auch bitte nicht einpacken, sondern schöööön auf die Hand und zum hier und jetzt vertilgen.

Während alle Häuser bauen mit viel zu weißen Gartenzäunen, Bäume pflanzen als müssten sie demnächst ihr Papier selbst schöpfen, sowie Kinder werfen wie die Katzenfamilie vom Nachbarshof und sich dazu simultan völlig hysterisch Ringe an die Finger kloppen, als wäre Gollum hinter ihnen her und sich dann auch noch die ewige Liebe in der Erwachsenenwelt und Version Ü-25 schwören, da bin dann einfach nur ich und sowas von RAUS.

Wundervoll und passend dazu las ich die Kolumne im Stern „Du benimmst Dich wie eine 20-Jährige!“, in der es um genau DAS geht, was für viele so gar nicht geht, sich NICHT „altersentsprechend zu benehmen“, wenn es denn so einen Schwachsinn überhaupt gibt…

Nun ja, ich passe da eben einfach nicht ins Bild bzw. nicht in dieses Bild der ach-was-bin-ich-denn-erwachsen-und-vernünftig. Ich bin dann gefühlt eher wie der bucklige Verwandte an Weihnachten, der beim Gruppenbild in völliger Euphorie und komplett benagelt ausversehen den Tannenbaum zu Fall bringt – die Bildstörung sozusagen. Und wenn ich mich nicht mit meinem Chaoslifestyle wie das schwarze Schaf der Gesellschaft fühle, dann fühle ich mich zur Abwechslung als würde ich zum ersten Mal in meinem Leben beim Sportunterricht als letzte gewählt oder sogar gar nicht.

Dieses Gefühl kommt aber auch dem gleich, als stünde ich mit Schwimmflügeln am Beckenrand im Schwimmbad, während sie alle ihre hyperseriöse Wassergymnastik auf Ayurvedabasis betreiben, um ihre Chakren in ihre Leibeshülle zu planschen.

Und wie sie da so in ihren beige- und bordeauxfarbenen Einteilern sowie dazu passenden Badekappen stecken und sich ihre Nasenklemmen zurechtrücken, da suche ich quasi in meinem fancy Retrobikini, der nicht nur auf 200m leuchtet und der für mein Alter und meine Figur eigentlich VIEL zu VERBOTEN an meinem Körper sitzt, krampfhaft nach jemandem, der einfach nur mit mir mindestens zwanzig Mal die Todesrutsche rückwärts herunterjagt und keine Stunde nach dem Essen wartet mit dem Schwimmen, sondern sich völlig wild und crazy nach ‚Pommes rot-weiß‘ und nem halben Hähnchen unmittelbar in die Fluten stürzt.

Ich bin eben irgendwie noch aus völliger Überzeugung im Villa Kunterbunt-Modus und brauche nicht für alles einen schön gerahmten Plan, während bei allen anderen der gediegene Landhausstil gerade ziemlich up to date is. Da wird ja nicht mal mehr ein Fischstäbchen genussvoll heruntergeschlungen ohne völlig panisch nach was-wäre-wenn-Manier darüber zu sinnieren, wie lebensbedrohlich doch bitte Gräten sind und der Fischverzehr an sich ist ja aber bitte auch toootaaal gefährliches Terrain! Booooooaaaaaah ernsthaft?!? Ich dreh hier noch durch…

 

Sorry für nix

Es tut mir ja auch leid, dass ich noch nicht meine Lebenserfüllung darin gefunden habe drei Stunden lang über die Konsistenz von Kinderkot zu philosophieren oder aber darüber, wie genau denn so ein Dammschnitt von statten geht oder aber, was so ne ordentliche Plazenta wiegt – bei diesem Battle „wer hat den gebährfreudigeren Uterus“, da mach ich eben einfach nicht mit.

Nein Stopp , wenn ich ehrlich bin, dann tut es mir eigentlich überhaupt nicht leid.

Es tut mir kein Stück leid, dass ich noch nicht geworfen (für alle die jetzt die Nase rümpfen: „ein Kind geboren“) habe und auch nicht, dass ich nun mal einfach nicht weiß, wann und ob überhaupt dieses völlig abgefahrene und gleichzeitig furchteinflößende Wunder der Natur über mich hineinbricht.

Es tut mir übrigens auch nicht leid, dass ich manchmal bis oft einfach überhaupt nix weiß und schon gar nicht wohin des Weges oder mit wem ich wie, wo, wann den Weg entlanglatsche. Denn ich weiß die meiste Zeit in meinen Augen eh ziemlich viel, wenn nicht sogar zu viel und ich bin echt froh, wenn ich mal einfach nur in den Ruhemodus schalten kann, auf Autopilot und nix wissen muss.

Und JA, verdammt, da darf dann auch mal ein Glas Wein dafür verantwortlich sein, dass ich nix weiß oder eben nix mehr weiß. Und wenn es sogar total crazy-wild und gesellschaftlich verpönt zugeht, dann kann auch mehr als ein Glas dafür verantwortlich sein. Wenn ich das so schreibe, da merke ich, wie ich schon herdentiertechnisch getrieben extra das Wort ‚Wein‘ wähle, da es anscheinend in meinem Alter nur noch cool ist dieses Gesöff zu trinken und alles andere sich nicht wirklich schickt. Und um das noch zu toppen: JA, der Verzehr von Alkohol findet auch bei mir manchmal total CRAZY mitten in der Woche statt und Wunder, oh Wunder: Ich lebe noch!

Wooohooo, man wie verrückt ich doch wirken muss in der Welt der weißen Gartenzäune und Samstagabende, an denen man lieber mit Schatzipuh zu Hause bleibt, weil wegen isso, während die ganze Welt draußen rockt, lebt oder den Kosmos außerhalb der Kuschelzone entdeckt.

Und NEIN, ich bin nicht neidisch auf alle Schatzipuhs und Wirs dieser Welt und habe auch nicht nur Hummeln im Hintern oder bin rastlos. Beziehungen finde ich generell ziemlich knorke, wundervoll und absolut erstrebenswert, sowie auch chillige Abende mit den Liebsten und Lieblingsmenschen uuunbedingt auf der Tagesordnung stehen sollten. Nur würde ich noch viel mehr Feuer und Flamme für Pärchen- und Spießerkrams sein, wenn die Menschen, die in solchen Konstrukten leben, vielmehr ein humoröses als ein tumoröses Verhältnis haben würden.

Was ich damit meine? Es wäre einfach nur ein Traum, wenn man nicht immer nur Hanni und Nanni im Doppelpack geliefert bekommt, obwohl man nur Hanni bestellt hat und sie nicht immer nur wie miteinander verwuchert anzutreffen wären, sondern sie ganz locker und lustig auch noch als Individuen und im einzelnen Stück Mensch durchs Leben spazieren würden, DAS wäre BOMBE! Und auch bitte nicht immer dieses „da müssen WIR gucken, ob WIR da Zeit haben!“…Grrrr, da bekomme ich hektische Flecken von!

 

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Und wie ich dies alles so herunterrappel, da wird noch ein bisschen klarer, dass ich immer mehr Gründe fürs meine Schreibblockade zu Tage fördere. Denn zu schreiben bedeutet schließlich auch immer zu spiegeln. Durch das Geschriebene setzt der Schreiberling sich selbst und sein Leben in Szene und kann genauestens von „außen“ betrachten, was gerade so geht oder eben auch nicht geht – soll bedeuten, sich also ganz einfach den eigenen Spiegel des Lebens vor die Nase zu halten.

Tja, und warum sollte man dies tun, wenn man auch ohne Spiegel bereits weiß bzw. von der ganzen Spießerparade immer nur zu verstehen bekommt, dass man im übertragenen Sinne viel „zu fett, träge, demotiviert“ ist, während man sich nicht passend benimmt? Wenn man eh nicht in die Lieblingsjeans des Alltags passt, da spart man sich das Spiegelbild doch lieber auf für „schlankere“ Momente.

Ich glaube, ich musste erstmal eine ausgiebige Lethargie-Fressattacke über mich ergehen lassen, um nun endlich der Konfrontationstherapie ins Auge zu sehen.

Mir ist es auch eigentlich Wurst wie alle anderen ihr Leben leben: mit Kindern, ohne, mit Zäunen und Bäumen und Häusern und Ringen, ist mir egal bzw. das werte ich normalerweilse auch gar nicht. Ich freue mich eigentlich auch gerne für sie alle, WENN nicht immer MEIN Leben zur Diskussion werden würde und ich mich wie der Staatsfeind Nummer eins fühlen müsste, nur weil mein Leben eben anders ist als ihrs.

Einfach nur stillhalten, abwarten und nix tun, das ändert nix. Dann schon lieber Strampeln und sei es nur gegen die andere Spezies aus dem Schöner Wohnen Landhausstil-Katalog, welche mir nur allzu oft ihren Spiegel aufdrängen will. Wie gesagt, nein danke, ich hab da nen eigenen und in dem sehe ich momentan auch nicht ganz so fit aus wie ich eigentlich sollte! Aber das wird schon…

 

Geschmacklich gut

Während ich das alles so verbastelt und verwordtrippt habe, da schmeckt mir der Wortcocktail doch mittlerweile eigentlich wieder ganz gut und der Zwang des Schreibenmüssens weicht dem des Schreibenwollens. Meine wordtrippische Fastenzeit ist glaube ich vorbei, von eigener Hand gebrochen und der Landhausstil wird neben meiner Wortparade auch schon viel kleiner und unbedeutender, verkriecht sich hinterm weißen Gartenzaun.

Der Schnee verkrümelt sich nicht nur gänzlich aus den Parks, sondern auch aus den Gemütern und auch aus meinem. So langsam erwache ich aus dem Winterschlaf und die großartigen Tage, an denen die Sonne uns beehrt durchfluten mich nicht nur mit Wärme und Glück, sondern auch mit Motivation und jetzt heißt es wieder:

Ärmel hochkrempeln und zugepackt!

Wir nehmen jetzt wieder Kurs auf und wordtrippen nun volle Kraft voraus, ganz ohne Stress, Druck und lieber mit einer großen Portion Lust. Die einzige Eiszeit findet also nun nur noch in meiner Hand statt und dann bitte mindestens zwei Kugeln, mit Sahne im Becher und mit Sonne und Sommersprossen im Gesicht!

 

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