Die Negativ-Flat (Zweifel und Pessimismus inklusive)

Hilfe, ich habe anscheinend unwissentlich ein Zweifel-Pessimismus-Premium-Abo abgeschlossen!

Kosten: gratis.

Vertragsdauer: wohl oder übel lebenslang…

Kundenkreis/Opfer: ahnungslose Optimisten (so wie ich)

Auswirkungen auf Abbonenten: macht garantiert WAHNSINNIG!?

Ich glaube Revolverheld sang so wundervoll inbrünstig: „Das geht raus an alle Spinner…!“ und ich schließe mich dem einfach mal an, nur lasse ich lieber das Singen an dieser Stelle (zur allgemeinen Sicherheit). Es gibt da nämlich so ein nerviges und super anstrengendes Phänomen, das diese sogenannten Spinner irgendwie verbreiten wie der Rattenfloh einst die Pest:

Ahnungslosen, aber vor allem hoffnungsvollen Optimisten ungefragt ihren Pessimismus aufzudrängen!

Wie genau sie das anstellen?

Kennst Du doch bestimmt!

Wenn nicht, dann lese und staune über dieses gruselige Phänomen, dessen Heilungschance im Ungewissen liegt.

Solche Pessimismusschleudern sind die Live-Kommentatoren Deines Lebens und damit ihre Message wirklich auch jeder aufgedrängt bekommt, der es nicht hören will, arbeiten sie für die Nichtzuhörer liebend gerne alternativ mit Untertiteln bzw. auch mit Facebook-/WhatsApp- und sonst welchen Kommentaren, die garantiert nicht auszublenden sind.

Es wundert mich eigentlich, dass sie nicht auch noch mit Leuchtreklame und Special effects fachwerkeln, ganz nach dem Motto ‚Sie haben gute Laune und freuen sich über irgendetwas ein Loch in den Bauch? So läuft das aber nicht! Bei uns wird Ihnen GARANTIERT geholfen, denn wir schaffen Abhilfe!‘, was dann wiederum auf einem 50x50m großem Banner prangt und psychedelisch blinkt.

Denn scheinbar steht alles, was Du machst und tust bei ihnen so negativ im Fokus wie ein Castor-Transport und das obwohl Du lediglich von innen heraus strahlst vor Freude und Glück, ganz ohne Radioaktivität.

Du schneidest Dir zum Beispiel todesmutig die Haare ab und freust Dich ganz offensichtlich über den neuen Schnitt und großen Schritt, aber der erste Kommentar der fällt ist nur: „Mensch, jetzt siehst Du aus wie meine Mutter!“ – na danke, dieses „Kompliment“ ist aber auch sehr flexibel auswertbar.

Vielleicht fährst Du auch nur einfach als Student gerne mal in den Urlaub, freust Dich darüber wie verrückt, aber anstatt mit Dir vor Freude zu tanzen, wird zu allererst nur mit einem stumpfen „Musst Du nicht eigentlich lernen, wie kannst Du da wegfahren?!“ reagiert. Oder aber Du kaufst Dir völlig begeistert nen neuen Mantel bei H&M im Schnäppchenrausch und alles was gefragt wird ist „Wie kannst Du Dir das leisten, bekommst Du nicht nur Studi-Kredit?“.

Wow danke…wie „lieb“ von denen, dass sie Dich in solch einem euphorischen Moment voller Glückseligkeit an Dein eigenes sonst so bescheidenes Studentendasein inklusive der drei Tonnen, gierig auf Dich lauernden „Schreibtischablage“, sowie an die rund 20 Jahre Steinbruch erinnern, die es benötigen wird um Deinen Studi-Kredit wieder abzuzahlen.

Danke dafür, dass nach feststehenden Entscheidungen trotzdem lieber nochmal etwaige Contra-Punkte heroisch vorgetragen werden, sonst hätte man ja auch ein reines Gewissen und gutes Gefühl dabei gehabt – pfui, das wäre ja fatal!

Oder aber, Du bist vielleicht nach drei Jahrhunderten des Singledaseins endlich mal wieder verknallt bis zum Mond und zurück, sodass Dir die Sonne ausm Hintern scheint und das allererste, was gefragt wird, klingt eher nach Kreuzverhör anstatt nach Lobeshymnen und Frohgesängen – die Firma dankt erneut für die unromantische Realitätskeule, die niemand brauchen kann oder hören will, schon gar nicht wenn der Himmel voller Geigen hängt.

Wahlweise hast Du auch nen Job, der nicht klassisch im Büro ist oder sich via Titulierung ‚Arzt‘, ‚Anwalt‘ oder ‚Lehrer‘ selbsterklärt, dann gehst Du natürlich für sie als mitleidserregender „Freigeist“ durch die Welt. Oder Du hast einfach nur freudestrahlend einen neuen, wenn auch kleinen, popeligen Nebenjob angenommen, über den Du einfach nur frohen Mutes und stolz wie Bolle berichtest, aber nix da – die Rechnung hast Du nicht ohne den Zweifel-Messie gemacht, der Dich mit seinem angesammelten Zweifel bis zum Halse und vor allem bis zum Herzen zumüllt, damit es auch ja nicht mehr freudig höher schlagen kann in diesem Moment.

Du lebst vielleicht ja auch mitunter gerne eher unkonventionell und planst nicht alles bis auf die nächsten 100 Jahre, da kommt dann häufig der schockierte Ausruf „Ich könnte das nicht!“ – und die Tonlage ist ungefähr mit der gleichen Erschütterung getränkt, als würdest Du erzählen, dass Du heimlich Drogen vertickst.

Als Krönung kommst Du dann langerseht und gut gelaunt an Weihnachten nach Hause, siehst Tante Berta zum ersten Mal nach 5 Jahren wieder, aber es schallt Dir lediglich ein „Mensch, Du siehst ja richtig gesund aus, Du hast aber ordentlich zugenommen, ne?“ entgegen, während ein anderer buckliger Verwandter aus dem Spaßbremsen-Off tönt: „Bist du nun endlich mal fertig mit deinem Studium?“.

An all diese nervigen Zweifel- und Pessimismus-Wiederkäuer: BITTE, behaltet eure aufgestoßene Bitterkeit einfach für euch! Vor allem wenn euch Menschen einfach nur fröhlich und enthusiastisch begegnen und eigentlich nur jemanden suchen, der sich mit ihnen freut!

Lasst eure Ängste und Zweifel nicht zu denen der anderen werden und überlegt euch mal: würdet ihr selbst das hören wollen, was ihr da gerade so sang und klanglos, aber vor allem kontextlos herausposaunt?

Und anstatt so hysterisch alles Negative in der ersten Reihe und oben ohne wie beim Festival abdancen zu lassen, da sagt doch einfach etwas NETTES! Schon mal probiert? Tut auch gar nicht weh, schmeckt viel süßer wenn es über die Lippen geht, hat trotzdem null Kalorien und macht viel mehr Spaß für alle Beteiligten!

Bei so vielen Dingen heißt es ‚das macht man nicht‘ und ‚das sagt man nicht‘. Auf Beerdigungen trägt man kein Rot, auf Hochzeiten kein Weiß und in der Kirche darf man nicht lachen. Vorträglich zum Geburtstag zu gratulieren bringt tierisch Unglück und es nachträglich oder gar nicht zu tun, ist verwerflich. Bei Geschenken muss man immer genau so viel investieren, wie auch der andere fürs eigene Präsent hingeblättert hat und wurde man von jemandem eingeladen, da muss man diesen Kauz wiederum auch einladen, selbst wenn allein nur der Gedanke daran bereits nervt, ABER: das macht man ja nun mal so!

Wie kann es sein, dass so viel Etikette gewahrt wird bei Dingen, deren Ursprung meist nicht mal im eigenen Interesse liegt, sondern blindlinks einfach übernommen wurde, weil Omma das schon immer so gemacht hat und weil wegen isso?

Aber in Situationen, in denen augenscheinlich die Glückseligkeit eines Menschen ganz individuell im Fokus steht, ein Menschenkind einfach nur happy ist und sich in dieser desaströs tobenden Gesellschaft voller Schicksälchen und Schicksalen wohlfühlt und seine Probleme mal vergisst, da wetzt man rigoros die Messer und lässt mit großer Vorliebe das emotionale Fallbeil niederrauschen? Hauptsache man hat einfach mal wieder irgendwas gesagt und die Quantität köpft mal wieder genussvoll die Qualität, sprach die Herzkönigin und lachte zufrieden.

Und das Schärfste an der Sache: hat man auch nur JEMALS in einem dieser Momente nach einer Meinung gefragt, darum explizit gebeten? Hat man jemals auch nur annähernd wissen wollen, wie der Gegenüber das findet? Noooope, das is ja gerade der Knaller! Denn diese ganzen vermeintlich tollen Anmerkungen und Lebenskommentare werden einfach mal so abgegeben, GRATIS! Und das alles, obwohl wirklich kein Schweinchen nach ihnen gegrunzt hat, DAS nenne ich mal konsequent emphatisch impotent.

Vielleich bist ja auch Du schon mal in einem Deiner Glücksmomente gegen so eine Lebenskommentar-Wand gebrettert, die plötzlich aus dem Nichts erschien?

Hast Du Dich auch schon mal über so selten dämliche und unnette Sprüche geärgert?

Dann gebe ich Dir sonst meinen Lieblingskommentar in solchen Situationen mit an die Hand. Meinen persönlichen Leitsatz, mein Mantra, mein verbales Schutzschild gegen all die Spinner da draußen und schleudere es ihnen einfach möglichst laut und deutlich (aus Rücksicht auf ihre Begriffsstutzigkeit), aber vor allem gut gelaunt entgegen:

Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, dann einfach mal gar nichts sagen!

Wenn Du Lust hast, dann verrate mir auch unbedingt Deinen Highlight-Spruch, der Dir mal die Glücksbrille von der Nase gerissen hat und vor allem erzähl mir, wie Du solchen Spinnern den Wind aus den Segeln nimmst – ich bin schon ganz gespannt!

Also: Nieder mit den Spinnern!

  2 comments for “Die Negativ-Flat (Zweifel und Pessimismus inklusive)

  1. Hilde
    Dezember 5, 2014 at 11:58 am

    Artikel mit Identifikationspotential und Deja vu-Alarm!! :)
    Mir wurde grade letztens auch meine neue Arbeit (an der ich eigentlich Spaß hatte bis dahin) UND meine gute Laune zumindest für den Tag durch einen ungefragten Miesepetra-Kommentar der unfeinen Art, in der Tat, vermiest… braucht kein Mensch so was!!!
    Konnte leider nix pfiffiges entgegnen in dem Moment war zu geplättet von so viel „Freundlichkeit“, hatte aber die Fantasie eines spontanen Kinnhakens vor Augen (Gewalt ist aber ja auch keine Lösung) 😉
    Freu mich schon auf weitere Berichte über „Szenen aus dem Leben“ hier!

    • Janine
      Dezember 5, 2014 at 1:47 pm

      Hallo liebe Hilde, viiielen Dank für Deinen Kommentar und schön dass Dir der Artikel gefällt! :-)
      Dann sind Hopfen und Malz also für mich doch noch nicht verloren und ich kann Mut schöpfen, dass sich dort draußen also doch noch ein paar Leidensgenossen herumtreiben oder auch herumärgern über die Spezies ‚Spinner‘. 😉
      Finde Deinen Lösungsansatz vom Kopfkino aber auch ziemlich unterhaltsam und stelle mir auch mit Hingabe oft Situationslösungen im Bild vor, hilft meines Erachtens sehr! 😀
      Das mit dem pfiffigen Antworten, das kannst Du prima üben. Du machst es ja auch schon richtig mit dem Kopfkino und im Nachhinein zu überlegen, was man hätte sagen können. Den Gedanken generalisierst Du dann einfach danach, sodass er allgemein zu so einer Situation passt, speicherst ihn Du dann in Deinem „pfiffige Antworten“-Repertoire und beim nächsten Mal, da liegt Dir eine lässig-lustige Antwort bereits auf den Lippen!
      Denn niemand sagt, dass der Gedanke nicht „alt“ sein darf und jeder gute Comedian schreibt seine Pointen vor, alles also eine Sache der Vorbereitung und Übung, klappt bestimmt beim nächsten Mal! 😉
      Würde mich sehr freuen, wenn wir uns noch öfter in meinem Word Trip-Wohnzimmer „sehen“ und „hören“ und freue mich auf weitere Kommentare und Gedanken von Dir!
      Liebe Grüße aus dem leider ziemlich tristen Kiel,
      Deine JaNine von Word Trip

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