Die „Kommunikations-Schiene“

 

Es war einmal die „Kommunikations-Schiene“ oder ‚wie man am besten ungewollt ins Gespräch kommt‘!

Irgendwie bin ich momentan bei den Mittsiebzigern der visuelle Kracher (nicht, dass ich das sonst nicht auch wäre, aber das ist wiederum ein anderes Thema)…Man denke sich an diese Stelle bitte einen zwinkernden Smiley oder so nen komischen mit rausgestreckter Zunge.

Zur Erklärung der Grundsituation: leider habe ich mir dieses Jahr zweimal das Kreuzband im linken Knie gerissen und genauso oft wurde ich an diesem deshalb operiert. Nach jeder OP musste ich für sechs Wochen so eine bekloppte, wenig schöne, wenn auch sehr viel Sicherheit gebende Transformers-Schiene tragen (so nenne ich sie persönlich). Ich glaube richtig nennt man die Dinger Kniegelenksorthesen und Brace, was mitunter wohl auch ein Grund ist, sie lieber Transformers-Schiene zu nennen. Der Fachbegriff ist nämlich noch dämlicher als ihr Aussehen und Transformers mag ich nun mal ziiiemlich.

Seitdem arrangiere ich mich nun also mit dem Teil so gut es geht und bin zwischen Fluch und Segen hin und her gerissen. Zum einen schützt sie natürlich mein Knie, was Weltklasse ist und wofür ich sie liebe. Aber zum anderen sieht sie nicht gerade dezent zum Abendkleid aus und so richtig angenehm zu tragen ist sie auf 6 Wochen gerechnet und rund um die Uhr dann doch nicht.

Mit diesem akkuraten Accessoire geschmückt flaniere ich derzeit etwas Captain Jack Sparrow-mäßig, sprich ein wenig wackelig durch die Gegend. Mein Piratenbein und ich – die unzertrennlichen Buddies, die dann doch eher auffällig sind, machen Kiel und Umgebung also ganz zwangsläufig ‚unsicher‘!

Beim letzten Mal bei der Physiotherapie wurde mir dann doch mal wieder verdeutlicht WIE auffällig diese Installation tatsächlich ist und wie viele Menschen nicht so richtig diskret sind. Während ich mich so elfengleich wie möglich in der mini Umkleidekabine in mein Sportoutfit quälte, ohne eine Schneise der Verwüstung hinter mir, vor mir und um mich herum zu reißen oder Senioren-Domino zu spielen (wenn man auch nur eine ältere Person ein bisschen antickt, muss man Panik haben, dass sie und alle anderen umkippen), da klatschte doch wahrhaftig genau eine dieser alten Damen (potenzieller Senioren-Dominostein) freudig erregt in die Hände. Als sie dies tat, blickte sie entzückt auf meine TRANSFORMERS-Kreuzband-stütz-Knieschiene und säuselte: „Oh, sie haben aber eine tolle Schiene!“.

Ungläubig lächelte ich verdattert und fragte mich, ob sie das ernst meinte, denn ich finde das Teil nun nicht so wirklich toll aus den oben genannten Gründen bzw. der Grund warum ich sie überhaupt tragen muss, ist leider ja nun auch nicht der erbauendste. Andererseits war ich einen kurzen Moment lang gewillt einfach zu antworten: „Mensch, ihr Gehwagen is aber auch nicht von schlechten Eltern! Wieviel PS hat der denn, wenn Sie so richtig losschieben?“.

Nach dieser kurzen Kopfkinovorstellung war ich letztlich doch noch so verdattert, dass ich mich einfach entschied nichts zu sagen, außer freundlich irritiert „Ähm ja, danke…“ vor mich hin zu brabbeln.

Im Wartezimmer folgte dann der nächste Fan…Oh man…

„DAS sieht aber toll aus, was Sie da haben!“, ungläubig und panisch, dass meine Kleidung vielleicht etwas frei interpretiert angezogen sein könnte (ich hab auch schon mal mit verkehrtherum angezogener Hose dort gesessen), sah ich, dass auch diese Dame aus der Kollektion Silberpüdelchenparade mir aufs Bein stierte und ebenfalls auf die Schiene zeigte.

Um die Situation dann NOCH unterhaltsamer zu machen (wahrscheinlich auch für den Rest der Anwesenden im proppenvollen Wartezimmer), fing sie an wild zu gestikulieren und zu stammeln, „Das is ja toll…das sieht aus wie…na, sagen Sie schon…na wie diese Dinger in den Filmen, wissen Sie?“. Ich überlegte angestrengt, was sie meinen könnte…und sagte dann nach kurzer Überlegung vorsichtig mit zusammengekniffenen Augen und inständig hoffend, dass nicht alle sofort in Gelächter ausbrechen würden: „Ähm,…wie ein Roboter…?“.

Kurze Gesprächspause – gefolgt von einem freudig erregten: „Ja, ja genau! Genau so sehen Sie aus!“.

Na Mensch…DANKE…ich sehe also aus wie ein Roboter…

Auch wenn ich selbst Transformers-Schiene dazu sage und Transformers wirklich gerne mag, selbst so genannt werden, das mag ich mal gar nicht. Ich versuche heute noch das versteckte Kompliment zu finden, aber ich konnte nicht fündig werden. Falls Du jedoch mehr Glück hast, schick es mir einfach per Post zu!

Für die Dame sah ich also aus wie ein Roboter und sie war so interessiert, als hätte ich zwei Köpfe.

Es wäre ja zu auch laaangweilig, wenn ich diesem merkwüdigen Phänomen entkommen könnte. Denn auch beim nächsten Mal bei der Physio: in der Umkleide, ich mit meinem Transformers-Bein tänzelnd meine Schuhe anziehend…“Na, Mensch, Sie haben ja ne schicke Schiene!“…

Ähm, joa…ich sagte mal wieder einfach nur „Danke…“ und dachte mir, ob ich der Dame vielleicht sonst einfach Namen und Modell aufschreiben sollte?

Kennst auch Du solch schräge Momente, in denen Du Dir denkst, ‚wurde das gerade ernsthaft laut gesagt?‘. Wurdest auch Du schon mal mit nicht-Komplimenten überschüttet als Du es am wenigsten erwartet hast und es auch nicht so richtig gebrauchen konntest?

Falls Du auch schon mal so eine schräge minus-Kompliment-Story erlebt hast, tobe Dich gerne in der Kommentarfunktion aus und erzähl mir davon.

Ich bin schon ganz gespannt und freue mich auf Deinen skurrilsten Schmunzelmoment!

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