Der goldene Reisekäfig

 

“Travel isn’t always pretty. It isn’t always comfortable. Sometimes it hurts, it even breaks your heart. But that’s okay. The journey changes you; it should change you. It leaves marks on your memory, on your consciousness, on your heart, and on your body. You take something with you. Hopefully, you leave something good behind.”

Anthony Bourdain, No Reservations: Around the World on an Empty Stomach


Reisen trägt oft kein Make-up und ist manchmal ziemlich unhübsch

Genau das, was Anthony Bourdain hier so warm und weich zum Thema reisen in einige Sätze hüllt, DAS bedeutet reisen auch für mich – geht es Dir vielleicht ähnlich?

Es ist für mich kein bisschen mehr, kein bisschen weniger.

Kein stupider All-inclusive-Urlaub, in dem jeder Schritt geplant und vorhersehbar ist.

Keine stets blütenreinen Hotelzimmer oder nur die besten und schicksten Gegenden der Welt und auch nicht zwangsläufig eine Sprache, die ich fließend sprechen muss.

Der perfekte, goldene Reisekäfig, in dem alles so sicher und gesichert scheint. Ein Käfig und Rahmen, der den Weg und das Ziel so gewissenhaft vorgib. Ein Fallschirm und doppelter Boden zugleich, der die Ungewissheit mit Watte ausstaffiert, damit ein Sturz niemals zwickt oder gar nicht erst zustande kommt.

Genau dieser goldene Käfig des Reisens könnte mir niemals das geben, was mir meine freie und ungezwungene Art des Reisens offenbart. Ich muss nicht immer genau wissen wohin oder wie lange und mit wem. Ich will oftmals gar nicht wissen, was passieren könnte und was passieren wird.

Und dabei ist meine Art die Welt zu erkunden ja nun zugegebenermaßen auch nicht soooo mega abgefahren, sondern einfach nur frei von den meist nur zehrenden Konjunktiven. Jedoch lässt sich eines bei Betrachtung des goldenen Reisekäfigs nicht von der Hand weisen:

Er ist und bleibt eben immer noch ein Käfig, ob nun gülden oder nicht – er setzt glanzlos Grenzen. Er engt ein und hindert am Wachsen, er verhindert das, was das Reisen doch eigentlich ausmacht: Neues zu lernen und sich selbst kennenzulernen!

 

„Ich will nur noch dahin reisen, wo es schön ist!“

Diese Phrase gab tatsächlich mal jemand in einem Gespräch voller Inbrunst und sonorer Arroganz von sich. Ungläubig entgegnete ich, dass er ja gar nicht wissen könne, ob es tatsächlich irgendwo schön ist, wenn er dort noch gar nicht gewesen sei. Er war jedoch so erhaben und behauptete vehement das Gegenteil, denn er würde sich ja schließlich kennen.

Ähm ganz ehrlich, jeder kennt sich irgendwie, auf irgendeine Art und Weise, natürlich. Aber mit gerade mal dreißig und n Keks angeblich vollends zu wissen wer man ist, was man will und wohin es gehen soll bzw. das zu behaupten, ich glaube das ist ziemlich vermessen und einfach oftmals unwahr oder aber schlichtes Wunschdenken mit Schleife oben drauf… Selbst der große Sokrates wusste ganz genau, warum er von Platon abgeschrieben hatte und stolz verkündete: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ – Punktum!

Woher weiß ich denn schon, wie etwas schmeckt, wenn ich es noch nie probiert habe?

Und meiner Meinung nach ist es mit dem Reisen genauso. Klar habe ich auch vielleicht eine kleine, leise Vorahnung und eine Tendenz Menschen, Orten und Kulturen gegenüber, aber urteilen und bewerten, dass kann und würde ich doch bei weitem nicht!

Nun denn, der arme Tropf, der so etwas von sich gibt, hängt wohl eben einfach in seinem goldenen Reisekäfig fest, dachte ich mir. Nur lässt sich schon aus der Ferne erkennen, dass dieser Käfig mittlerweile ganz und gar nicht mehr goldglänzend ist, sondern im Sonnenlicht der eigenen Vorurteile und Ängste schlichtweg nur stumpf und matt. Und so rostet und rottet er trübsinnig vor sich hin, genau wie die Engstirnigkeit, Lebenslust und Neugierde seines Besitzers.

 

Wie reist Du ganz ohne den goldenen Reisekäfig?

Nicht im goldenen Reisekäfig die Welt zu entdecken, das bedeutet einfach mal ganz oft hinzusehen und nicht wegzusehen – was willst Du wirklich, wovor hast Du Angst und warum überhaupt? Klingt zu abgefahren? Na, dann ist es ganz sicher genau das Richtige!

Es heißt auch für Dich dort hinzugehen, wo es auch mal ‚weh tut‘ und unangenehm ist. Mal ganz allein an ein Ziel dieser Welt zu reisen, das Dich schon immer reizte, Du aber immer wieder Gründe gefunden hast, es doch zu verwerfen und in der Schublade ‚Träume und Spinnerein‘ zu verbannen.

Warum es weh tun soll und unangenehm ist?

Weh tut es letztlich ja nur, weil Du unbekanntes Terrain betrittst, Dinge siehst, hörst, schmeckst und fühlst, die von Deinem bisherigen Weltbild abweichen und dadurch einfach mal Deine eigene Komfortzone verlassen werden muss. Hältst Du diesem Moment stand, so vergeht er genauso schnell wie er gekommen ist und ein wunderbares Gefühl der Zufriedenheit nistet sich bei Dir ein und Du kommst Dir selbst wieder ein Stück näher. Du lernst über die große, weite Welt Dich selbst besser kennen!

Ohne den Käfig und seine Zwänge zu reisen bedeutet also dort hinzugehen, wo unser manchmal viel zu perfekt gepuderter Hintern des ach so hochentwickelten Westens nichts mit seinem akademischen Gesäusel anfangen kann und es einfach nicht viel wert oder völlig egal ist.

Dorthin, wo es noch um Menschen und Menschlichkeit geht, mit Händen und Füßen kommuniziert wird und man sich noch gepflogen den Magen verdirbt, weil niemand vorher hysterisch ne Flasche Sagrotan drübergekippt hat. Und das alles fernab von abgespaceter Entwicklungsmaschinerie und von Rationalisiertheit gegeißelten Emotionen à la ‚das macht man aber nicht‘ und ‚lasst uns zum Lachen in den Keller gehen‘.

Aber es zeigt auch auf, dass es keiner geradlinigen Reisen durch den Alltag oder das Leben an sich bedarf, um glücklich zu sein. Bloß nicht immer am einfachsten Weg abbiegen und vorher noch brav den Blinker setzen. Auf keinen Fall immer gekonnt die Probleme umschiffen, auch wenn dieser Weg oftmals so unfassbar verlockend, kurz und reibungslos erscheint.

Du wirst sehen, wenn Du Dich Deinen ganz individuellen Herausforderungen stellst und diese meisterst, wirst Du vollkommen begeistert sein und in erster Linie von Dir selbst!

 

Lebenshungring und reiselustig, aber dennoch irgendwie pappsatt – Kennst Du das?

Manchmal bis oft ist der einfache Weg nicht immer der bessere und schon gar nicht der nachhaltigere. Und wenn Du jetzt denkst, dass Du einfach keine Lust hast über Stock und Stein zu holpern, während Du auch über planen Asphalt gehen könntest: Ja, das verstehe ich total! Jedoch nur auf den ersten Blick, denn Wege zu gehen, ohne Spuren zu hinterlassen, das klingt für mich persönlich nicht sonderlich erfüllend und sinngebend oder was meinst Du?

Auch ich bin manchmal müde, habe es satt, dass Dinge unnötig kompliziert sind oder dramatisch aufbebauscht werden. Mich strengt es auch an, dass Menschen oftmals nicht zu verstehen sind und ihre Handlungen mir häufig vor lauter Egoismus entgegenschreien, dass mein Herz bereits hochgradig unter Tinnitus leidet.

Oder ich frage mich manchmal: Wo bin ich hier bloß gelandet und warum lächelt mir eine Kakerlake morgends an meinem Kopfende entgegen und nicht das duftende ‚all you can eat‘-Büffet eines All-inclusive-Hotels? Das kenne ich wirklich!

Und dass ein Herz manchmal auch von Kummer geplagt ist, wenn es der fiesen Witterung des Alltags oder des unkonventionellen Reisens ausgesetzt ist, das gehört eben einfach zum Leben dazu und kann immer und überall passieren. Denn Herzen brechen nun mal auch, wenn sie in Käfigen stecken oder aber ganz besonders oft und schnell, weil sie eben in Käfigen stecken.

Ich habe es aber auch unendlich satt, gemeinsam von einem Teller mit gesichtslosen grauen Mäusen zu essen, deren einziges Bestreben es ist, so zu sein wie viele, wie alle anderen und auch exakt so, wie alle andere sie gern hätten: Immer nett grinsend und die Haare kokett um den Finger wickelnd, während dazu monoton gegluckst und brav genickt wird und die Ironie der Monotonie zum Opfer fällt.

Dies bedeutet nicht, dass ich singend im Kreis tanzen und meine Individualität beklatschen muss. Dennoch will ich mich auch nicht dafür verstecken müssen, dass ich ein Gesicht habe, das gesehen wird und auch nicht dafür, dass ich eine Stimme besitze, die vernommen wird und die auch mal laut sein kann, wenn alle leise sind. Vielleicht wirkt es zwischen den vielen leblosen Grinsekatzen unglaublich befremdlich, dass ich eine eigene Meinung habe. Eine Meinung ganz ohne hohles Kichern, die geachtet und respektiert wird, obwohl sie manchmal polarisiert. Und vielleicht ist es ja auch etwas oldschool, dass ich mein Herz gerne auf der Zunge trage und dass es parallel dazu trotzdem in meiner Brust so unermüdlich schlägt für all die schönen Dinge und tollen Menschen in meinem ganz eigenen Kosmos Seifenblase, den ich Leben nenne.

Und deshalb: Mach Dich einfach mal frei von allen Ängsten und Zweifeln, frei von dem, was andere sagen oder denken könnten – weg mit den Konjunktiven!

Packe Deinen Rucksack ohne Schnickschnack und genaue Reise-Agenda und stürz Dich in die wundervoll bunte Welt mit ihren tollen Menschen, um einfach nur Du selbst zu sein und nicht so, wie andere Dich gerne hätten!

 

Ja, is denn schon wieder Weihnachten? Kleiner Wunschzettel für Reisende

Ich liebe das Reisen und liebe meine Lebensreise und ich wünsche mir, dass einfach noch viel mehr Menschen sich mal locker im Schlübber machen und sich mehr auf das richtige Reisen einlassen, auch mal ohne Karte, Kompass und Plan oder ohne Begleitung.

Ich wünsche mir mehr Mut. Mehr Mut zu sich selbst, seinem eigenen Wesen und anderen Menschen gegenüber, ohne vorgefertigtes Angstbild. Und ich wünsche mir, dass mehr Menschen Spuren hinterlassen und hinterlassen wollen, sich davor einfach nicht ängstigen, auch nicht ängstigen lassen durch fremde Hand und sich dabei selbst vertrauen, dass sie das Richtige tun.

Aber vor allem wünsche ich mir, dass sie nicht nur reisen, um ihre Wohlstandsplauze gen Sonne zu strecken oder die fancy Bikiniabdrücke besessen wie Handtaschenhündchen zu züchten, sondern um immer ein Stückchen mehr zu lernen, um mehr zu sein.

Mehr zu lernen über die Welt und von der Welt. Mehr von und über die Menschen zu lernen, aber vor allem, dass sie von sich selbst und über sich selbst lernen, lernen wollen und dass ihr Durst danach niemals versiegt!

Zu dieser Wunschliste möchte ich Dich einladen, denn auch Du bist noch viel mehr als Du selbst auch nur erahnen kannst –  also gehe hinaus in die Welt und mach es einfach wie Pipi Langstrumpf:

Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!

Wunschzettel Ende –

  1 comment for “Der goldene Reisekäfig

  1. Februar 19, 2015 at 7:35 am

    Hallochen
    Ich habe dir den „Liebsten Award“ verliehen. Schau gleich vorbei und freu dich darüber, bevor du ihn weitergibst =) Ich wünsche dir einen wundervollen Tag!
    LG Tintenhexe
    http://tintenhexe.blogspot.ch/2015/02/liebster-award.html

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